Spotlight: Sanierung neu denken – das Energiesprong-Prinzip

Serielle Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip, Foto: Fabrice SINGEVIN, Urheberrecht: ICF Habitat / Fabrice SINGEVIN
Serielle Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip, Foto: Fabrice SINGEVIN, Urheberrecht: ICF Habitat / Fabrice SINGEVIN

Serielle Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip, Foto: Fabrice SINGEVIN, Urheberrecht: ICF Habitat / Fabrice SINGEVIN

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, braucht es innovative Sanierungslösungen, die einfacher, schneller und wirtschaftlicher als bisherige Ansätze sind. Ein erfolgreiches Modell aus den Niederlanden ist die serielle Sanierung mit vorgefertigten Elementen nach dem Energiesprong-Prinzip. Wie das technisch und wirtschaftlich funktioniert, welche Gebäudetypen infrage kommen und welche Pilotprojekte es bereits in Deutschland gibt, erklärt Christian Richter von der Energiesprong Foundation und Teil des Energiesprong-Marktentwicklungsteams im Klimaforum Bau Spotlight.

Was ist das Energiesprong-Prinzip?

Mit einem digitalisierten, neu gedachten Bauprozess, vorgefertigten Elementen für Fassade, PV-Dach, Haustechnik und einem innovativen Finanzierungsmodell werden Gebäude innerhalb weniger Wochen auf einen NetZero-Standard gebracht. Das bedeutet, dass sie im Jahresmittel so viel erneuerbare Energie erzeugen, wie für Heizung, Warmwasser und Strom benötigt wird. Grundlage hierfür ist der KfW-55-Standard und eine Volldach-PV-Anlage, häufig kombiniert mit einer Wärmepumpe. Dieser ambitionierte Standard wird über eine lange Betriebsdauer gesichert. Zudem bietet die serielle Vorfertigung bei großen Stückzahlen ein enormes Kostensenkungspotential bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität – pro Fachkraft kann mehr saniert werden. Die Standardisierung vereinfacht für den Auftraggeber auch den Ausschreibungs- und Bestellprozess. Statt vieler Einzelbeauftragungen und detaillierter Leistungsbeschreibungen kann bei einem Generalübernehmer das „Paket“ Sanierung auf den Net-Zero-Standard bestellt werden. Dieses Unternehmen ist dann zentraler Ansprechpartner für den Auftraggeber und koordiniert alle beteiligten Akteure.

Diese Elemente –  langjährig gesicherter NetZero-Standard und hohes Kostensenkungspotential – tragen wesentlich dazu bei, dass diese Sanierungen perspektivisch auch warmmietenneutral möglich werden sollen. Hinzu kommt eine hohe Nutzerorientierung: Wie auch bei anderen in Serienproduktion gefertigten Gütern sind individuelle gestalterische Anpassungen etwa bei Farben, optischen Elementen und Oberflächen möglich. Nicht zuletzt werden die Bauzeiten stark verkürzt, wodurch die Bewohner nur minimal beeinträchtigt werden. So können Klimaschutz und bezahlbares Wohnen vereint, energetisch hocheffiziente Sanierungen zügig in der Breite umgesetzt und die Sanierungsrate deutlich gesteigert werden.

Piloten und Projekte

Im Jahr 2020 wurde in Hameln (Niedersachsen) das erste Mehrfamilienhaus in Deutschland nach dem Energiesprong-Prinzip seriell saniert. Der Pilot ist ein Wohnblock aus den 1930-er Jahren, bestehend aus drei Gebäuden mit je zwei Stockwerken und insgesamt zwölf Wohnungen mit einer Wohnfläche von 612 qm. Nach einer gründlichen Innensanierung startet Ende 2019 die Installation von Fassadenelementen und Technik. Anfang 2021 wurde die Sanierung fertiggestellt.

Ein weiterer Energiesprong-Pilot startete im September in Bochum (Klimaforum Bau berichtete). Im Bochumer Stadtteil Harpen bekommen die 1967 errichteten Mehrfamilienhäuser in der Mörikestraße als neue Hülle eine Fassadenkonstruktion in Holztafelbauweise mit großformatigen vorgefertigten Elementen. Auf einem komplett neuen Dachaufbau werden nahezu vollflächig Photovoltaik-Module verlegt, deren Leistung den NetZero-Standard erfüllt und für das CO2-neutrale Wohnen verantwortlich ist.

Weitere Piloten und Projekten, interessierte Wohnungseigentümer:innen sowie Volume-Deal-Unterzeichnende aus der Wohnungs- und Bauwirtschaft stellt die dena auf einer digitalen Projektkarte dar.

Über das Energiesprong-Prinzip in Deutschland

Die Energiesprong-Marktentwicklung wird in Deutschland von der dena koordiniert und vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen unterstützt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) finanziert das dena-Projekt. Das Energiesprong-Team unterstützt und begleitet die Entwicklung serieller Sanierungslösungen und setzt gemeinsam mit Frontrunnern der Branche neue Standards für komfortable, energieeffiziente Sanierungen. Die Umsetzung der ersten Piloten in Deutschland wird zudem über das EU-Programm Interreg NWE „Mustbe0“ gefördert. Dazu gehört auch das Projekt in Bochum. Die dena schätzt allein das Potenzial für kleinere bis mittlere Mehrfamilienhäuser der 50er bis 70er Jahre in Deutschland auf rund 300.000 Gebäude.

Über das Klimaforum Bau Spotlight

Mit dem “Spotlight” (deutsch: Rampenlicht) startet das Innovations- und Kommunikationsnetzwerk Klimaforum Bau eine Veranstaltungsreihe, in der innovative und wegweisende Projekte, Start-ups, Forschungen und Konzepte rund um das klimagerechte Planen und Bauen vorgestellt werden. In einem kompakten Online-Format von rund 60 Minuten stellen Experten ihres Metiers ihre Arbeit vor und beantworten anschließend Fragen der Zuschauer.


Datum

03 Nov 2021

Uhrzeit

15:00 - 16:00

Kosten

kostenfrei