Die große Transformation zum nachhaltigen gesellschaftlichen Stoffwechsel: Die Bedeutung von Gebäuden und Infrastrukturen

Foto: H. Hensel/IÖR-Media

Globale Nachhaltigkeitskrisen wie Erderhitzung und Biodiversitätsverlust werden vor allem durch den gesellschaftlichen Verbrauch an Materialien und Energie angetrieben. Die Masse der weltweit angehäuften, menschengemachten Materialbestände – v. a. Gebäude und Infrastrukturen – ist gleich groß wie die aller auf der Erde lebenden Organismen. Ein immer größerer Teil der Materialien wird für den Aufbau weiterer Bestände benötigt; der Material- und Energiebedarf für die Erhaltung der Bestände wächst rapide. Struktur und Muster der Bestände – z. B. die Raumstruktur von Siedlungen – haben großen Einfluss auf den künftigen Energiebedarf und Treibhausgasemissionen. Eine Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft erfordert die Umgestaltung des ‚Stock-FlowService‘ Nexus, also veränderte Muster an Materialbeständen, die mit erheblich geringeren Material- und Energieflüssen als heute die für gesellschaftliches Wohlergehen nötigen Dienstleistungen bereitstellen können. Quantifizierung und Kartierung von Materialbeständen ist daher für den Nachhaltigkeitsdiskurs von zentraler Bedeutung.

Referent: a. o. Univ.-Prof. Dr. Helmut Haberl, Institut für Soziale Ökologie, Universität für Bodenkultur Wien
Moderation: Dr. habil. Regine Ortlepp

Co-Referat: Zirkuläres Bauen in Städten voranbringen – Materialkataster als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle?

Der Ressourcenverbrauch von Städten dominiert die gesellschaftlichen Materialflüsse. Zugleich bergen Gebäude und Infrastrukturen enormes anthropogenes Ressourcenlager, das erhebliche Mengen an Bau- und Abbruchabfällen freisetzt. Regionale Materialkataster bieten die Möglichkeit, lokale Läger und Flüsse zu quantifizieren und so aufzubereiten, dass sie Informationsbedarfe unterschiedlicher Akteure adressieren, die Einfluss nehmen auf Materialflüsse und -Kreisläufe. Das Co-Referat gibt einen kurzen Einblick in die Konzeption regionaler Materialkataster und geht auf Anwendungsbeispiele in Hamburg und in der Region Dresden ein.

Referent: Georg Schiller, Leiter der Forschungsgruppe Anthropogene und Natürliche Ressourcen im Forschungsbereich Gebaute Umwelt – Ressourcen und Umweltrisiken des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR).

Mehr Informationen in der Einladung des IÖR.

Über das IÖR-Forum

Das “IÖR-Forum” ist eine öffentliche Plattform für den wissenschaftlichen Dialog und den Austausch mit der Gesellschaft. Mit dieser Veranstaltungsreihe widmet sich das IÖR regelmäßig aktuellen Themen der nachhaltigen Entwicklung und Transformation von Städten und Regionen. Dazu laden sie Referent:innen zu sich ein: aus der Forschung (Wissenschaftsdialog) bzw. aus der öffentlichen Verwaltung, aus Unternehmen oder der Zivilgesellschaft (Wissenschaft-Praxis-Dialog). Die Vorträge der Gäste aus dem In- und Ausland werden anhand von kurzen Berichten aus der Forschungsarbeit des IÖR flankiert.

Das “IÖR-Forum” steht allen Interessierten offen. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.