Gebäudebegrünung als effektive Klimaanpassungs­maßnahmen in Städten

Kö-Bogen II – Europas größte Grünfassade, Düsseldorf; Visualisierung: ingenhoven architects/HGEsch
Kö-Bogen II – Europas größte Grünfassade, Düsseldorf; Visualisierung: ingenhoven architects/HGEsch

Städte bilden eigenes Klima aus

Bis 2050 werden etwa 70 % der Bevölkerung in den Städten wohnen. Doch es sind genau diese Orte, die vom Klimawandel mit am stärksten betroffen sind. Durch die Bebauung, einen hohen Versiegelungsgrad und einen Mangel an Grünflächen bildet sich ein sogenanntes Stadtklima aus. Dieses Stadtklima unterscheidet sich vom Klima des Umlandes bezogen auf Lufttemperatur, -feuchtigkeit, Strahlung und Wind. Es gibt nur wenige Möglichkeiten zum Regenwasserrückhalt und zur Verschattung beziehungsweise Kühlung. Die versiegelten Oberflächen sind zumeist schallhart und nehmen somit keine Geräusche auf. Die Städte sind zusätzlich oft feinstaubbelastet und verzeichnen eine schlechte Luftqualität. Auch in Dresden hat sich ein Stadtklima ausgebildet. Gerade in der Innenstadt verzeichnet der Themenstadtplan Dresden geringe Filter- und Pufferfunktionen des Bodens sowie Wasserspeichervermögen auf. Grund ist unter anderem ein hoher Versiegelungsgrad.

Abbildung 1: Auszug aus dem Themenstadtplan der Stadt Dresden – Filter- und Pufferfunktionen des Bodens

Aber auch der Klimawandel an sich trägt zu diesem Phänomen bei. In der Stadt spürt man schon heute den Effekt des städtischen Wärmeinseleffektes. Laut eigenen Angaben der Stadt Dresden liegen die Unterschiede der innerstädtischen Temperaturen zum unbebauten Umland phasenweise bei mehr als fünf Grad. Aber auch um die Städte herum verändern sich die Bedingungen. Franziska Reinfried, Meteorologin beim Umweltbundesamt erklärt in einem Interview der DNN bezogen auf das Klima im Jahr 2018:

“In Sachen Jahresniederschlag ist noch kein Trend zu erkennen. Die Niederschlagsmenge schwankt immer stark. Doch bei der Jahresmitteltemperatur konstatieren wir einen kontinuierlichen Anstieg seit den 1980er Jahren. Im Schnitt liegt die Temperatur jetzt etwa 1 Grad über dem Klimareferenzwert. Das zeigt, wo es in Zukunft hingeht. Für Sachsen prognostizieren Klimamodellierungen bis 2100 einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur von 2 bis 3 Grad Celsius. Das, was wir 2018 erlebt haben, wird dann normal sein. “

Franziska Reinfried, Meteorologin beim Umweltbundesamt

Um möglichst gut mit den Veränderungen des Klimas umzugehen, ist eine Klimaanpassung notwendig. Bietet Gebäudebegrünung eine Möglichkeit für die Verbesserung des Stadtklimas und damit einer resilienteren Stadt?

Probleme der Stadt und mögliche Lösungsansätze durch Gebäudebegrünung

Der Begriff “Gebäudebegrünung” beinhaltet alle Begrünungen am Gebäude, welche an der Fassade oder am Dach angebracht sind. Neben der verbesserten Ästhetik gehen mit den Grünflächen weitere Vorteile für die Stadt einher. Dieser Meinung ist auch die Landschaftsplanerin Vera Enzi: “Begrünung muss als strategisches Instrument für eine nachhaltige und an den Klimawandel angepasste Stadttransformation eingesetzt werden.” Im Folgenden werden einige Vorzüge der Begrünung aufgezeigt:

Die Funktionen, die geboten werden, sind vielfältig und in unterschiedlich starker Ausprägung je nach Art der Begrünung. Einer der offensichtlicheren Vorteile ist der Erhalt der Biodiversität durch die zusätzlichen Grünflächen. Ein Zuwachs ist dringend notwendig. Laut der Universität Stuttgart ist die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 um bis zu 75 % zurückgegangen. Gerade diese Insekten sind aber für unser Ökosystem Mensch durch ihre Funktionen unverzichtbar. Der Rückgang der Biodiversität kann auch schnell teuer werden. Laut dem Leiter des Fachbereichs Biodiversität beim WWF Deutschland Jörg-Andreas Krüger würde es uns allein in Europa “jährlich 50 Milliarden Euro kosten, das zu ersetzen, was die biologische Vielfalt einer intakten Natur uns kostenfrei bietet.” Somit steht für ihn fest, dass wir uns es “schlicht nicht leisten [können], unsere Naturlandschaften, Ökosysteme und natürlichen Lebensgemeinschaften weiter herunterzuwirtschaften.” Begrünungen am Gebäude bieten für diverse Tier- und Pflanzenarten ein zu Hause, auch für den Menschen als zusätzlichen Wohnraum. Vom Sportplatz bis zum Dachgarten sind kaum Grenzen bei der Gestaltung von Grünflächen gesetzt.

Laut der Bundesstiftung Baukultur hat sich in den letzten Jahren der Anteil an versiegelten Flächen stark erhöht. Waren es 1990 noch 494 m² versiegelte Fläche pro Person, so waren es 2017 schon 622 m². Diese Zunahme bringt Probleme mit sich. Betonierte und asphaltiere Flächen können keine Nährstoffe oder Regen aufnehmen. Diese rückgängige Wasseraufnahmefähigkeit führt zu einem geringen Grundwasserspiegel. Trinkwassermangel und Dürreschäden werden begünstigt. Auch das Risiko für schlimme Hochwasserschäden wird durch die ungleichmäßige Versickerung erhöht. Begrünungen bieten eine Möglichkeit zum Ausgleich dieser versiegelten Flächen und des vorhandenen Risikos. Gerade in den Städten ist die Verdichtung besonders hoch. Mit einem vergrößerten Anteil an Begrünungen kann bis zu 90 Prozent Regenwasser zurückgehalten und Abflussspitzen gemindert werden. Es kann kontinuierlich Wasser in die Kanalisation eingeleitet werden, ohne diese zu überlasten. Gerade die Substrat- und Drainageschichten bieten dabei ein großes Wasserrückhaltevermögen. [1]

In Substrat und Drainageschichten gespeichertes Wasser verdunstet und sorgt damit für einen Kühleffekt im darunterliegenden Gebäude, aber auch in der Umgebung. Größere Pflanzen erzeugen Schattenplätze, die besonders in warmen Sommermonaten einer Überhitzung entgegenwirken. Nach Modellrechnungen wird es in Deutschland pro 1 Grad Celsius Temperaturanstieg eine hitzebedingte Mortalität von 1 bis 6 Prozent geben. Das sind 5000 weitere Sterbefälle pro Jahr alleine durch die Hitze. Die Minimierung von Temperaturextremen durch Gebäudebegrünung wirkt sich hingegen positiv auf die menschliche Gesundheit aus und kann durch Hitze erzeugten Herz-Kreislauf-Problemen, Schlafstörungen, Erschöpfungsgefühl sowie Kopfschmerzen entgegenwirken. Die Unterschiede der Oberflächentemperaturen bei verschiedenen Dachbedeckungen sind in Abbildung 2 deutlich zu erkennen.

Abbildung 2: Oberflächentemperaturen verschiedener Dachdeckungen im Tagesverlauf (Quelle: Kuttler, 2011)
Abbildung 2: Oberflächentemperaturen verschiedener Dachdeckungen im Tagesverlauf (Quelle: Kuttler, 2011)

Eine Temperaturreduktion und Beschattung des Gebäudes verlängern auch dessen Lebensdauer. Durch eine Begrünung lassen sich die Renovierungsintervalle deutlich – bis auf das Doppelte – verlängern. So wirkt sich Sonneneinstrahlung negativ aus auf z. B. Dachabdichtungen.  Ein Schutz der Oberfläche zahlt sich insbesondere bei Extremwetterereignissen wie Schlagregen, Sturm und Hagel sowie im Winter aus. Die Begrünung bietet weiterhin Schutz vor Windeinwirkungen und ermöglicht so eine Verbesserung der Gebäudeisolierung. Wie stark dies ausgeprägt ist, variiert jedoch nach Pflanzen- und Systemart. [1]

Begrünungen können auch eine Antwort auf die ansteigenden Schadstoff- und Staubbelastungen in den Städten geben. Es ist möglich, ausgestoßene Stickoxide und CO₂ zu binden. Gasförmige Schadstoffpartikel wie z.B. Schwermetalle oder krankheitserregende Keime werden ebenfalls aufgenommen und gefiltert. Der zunehmende Lärm kann durch das Blattwerk ebenfalls verringert werden. Es werden dabei die Luftschallschwingungen aufgenommen und in mechanische Bewegung umgewandelt. Außerdem besitzen Pflanzen schallabsorbierende Eigenschaften, die jedoch vegetationsspezifisch sind. Eine bedeutende Pegelminderung ist jedoch nur durch flächendeckende Begrünung zu erreichen. [1]

Begrünungsflächen in Dresden und bundesweit

Laut Marktbericht der BuGG 2020 wächst der Anteil an Dachbegrünungen. Die durchschnittliche Wachstumsrate der Jahre 2008-2019 betrug 7,0 %. Ein besonders großer Zuwachs ist bei der Intensivbegrünung zu verzeichnen. Insgesamt ist jedoch der Anteil an begrünten Dachflächen mit rund einem Prozent sehr gering. In Deutschland stehen 80 Millionen m² Flachdachfläche zur Verfügung. Es werden aber nur 7,2 Millionen m² begrünt. Die Stadt Dresden führte 2017 mit der Firma EFTAS eine Analyse zur Anzahl an begrünten Gebäuden in Dresden durch. Von 144.000 Gebäude sind gerade einmal 1358 Gebäude begrünt. Vergleicht man den daraus errechneten Gründach-Index (begrünte Dachfläche pro Einwohner) mit anderen größeren Städten, zeigen sich die Defizite. Dresden erreicht im Ranking Platz 14 mit einem Indexwert von 0,4. Der Durchschnitt liegt bei 1,2. Stuttgart führt die Rangliste weit vor den anderen mit 4,1 an, gefolgt von München mit 2,1.

Begrünungsarten

Um einen besseren Überblick über die verschiedenen Gebäudebegrünungssysteme zu bekommen, unterscheidet man zunächst in Dach- und Fassadenbegrünungen. Die Fassadenbegrünungen lassen sich in bodengebundene, wandgebundene und Mischform-Systeme unterscheiden, die Dachbegrünung in Intensiv- und Extensivbegrünung sowie die Sonderform der Sumpfdächer. In den folgenden Tabellen sind dazugehörige Preise, Pflegehinweise und weitere Informationen aufgeführt.

Hinweis: Die Tabellen sind für Mobilgeräte durch horizontales Scrollen halbwegs lesbar, aber wir empfehlen die Betrachtung auf einem großen Monitor.

Dachbegrünungen

Art Aufbauhöhe / Gewicht Vegetation Pflege Besondere Wirkung Einsatz Kosten [bei 500 m²] Instandhaltung Beispiele 
Extensivbegrünung / dünnschichtiger Aufbau 8 cm / 90 kg/m² Sedum-Kräuter-Moos sehr gering Wasserrückhalt 50 %, Wasserspeicher ca. 20 l/m²  fast überall, auch als Bienenweide möglich  Investitionskosten: ca. 30 €/m² ; Instandhaltungskosten: ca. 2-4€/m²1-2-mal pro Jahr Milaneo Stuttgart, Besucherzentrum IGA Berlin
Extensivbegrünung / höherschichter Aufbau 15 cm / 190 kg/m² Kräuter-Gras-Sedum mittel Wasserrückhalt 70 %, Wasserspeicher ca. 35 l/m², hohe Verdunstungsleistung, hohe Artenvielfalt mit geeigneter Statik Investitionskosten: ca. 35 €/m² ; Instandhaltungskosten: ca. 2-4€/m²1-2-mal pro Jahr Prinz-Eugen Park München 
Extensivbegrünung / Biodiversitätsgründach 10-30 cm / 120-350 kg/m² Kräuter-Gras-Sedum, Gehölze mittel Wasserrückhalt 75 %, Wasserspeicher ca 40 l/m², hohe Verdunstungsleistung, hohe Artenvielfalt Flachdach, ökologische Aufwertung von Extensiv- und Intensivbegrünungen, mit geeigneter Statik Investitionskosten: ca. 45 €/m² ; Instandhaltungskosten: ca. 2-4€/m²1-2-mal pro Jahr Alnatura München, Firma Alukon, Haigerloch
Extensivbegrünung / Solar-Gründach 8-10 cm / 90-120 kg/m² Sedum-Kräuter mittel Wasserrückhalt 50 %, Wasserspeicher ca. 20 l/m², Schutz der Dachabdichtung Wechselwirkungen mit PV-Anlage mit geeigneter Statik Investitionskosten: ca. 220 €/m² mit Modulen ; Instandhaltungskosten: ca. 2-4€/m²1-2-mal pro Jahr MTZ München , UBA Berlin, Möbel Höffner Hamburg
Extensivbegrünung / Schräg- und Steildachbegrünung 10 cm / 120 kg/m² Sedum-Kräuter-Moos gering Wasserrückhalt 60 %, Wasserspeicher ca. 30 l/m² 5-45° Dachneigung, ab 10-15 ° Schubsicherung Investitionskosten: ca. 80 €/m² mit Schubsicherung ; Instandhaltungskosten: ca. 2-4€/m²1-2-mal pro Jahr Kita Dresden Hauptstraße 26 
Intensivbegrünung / klassischer Dachgarten 40 cm / 500 kg/m² Stauden-Gehölze, Rasen hoch Wasserrückhalt 90 %, Wasserspeicher ca. 150 l/m², zusätzliche Nutz- und Wohnfläche Flachdach mit geeigneter Statik Investitionskosten: ca. 100 €/m² ; Instandhaltungskosten: ca. 6-10€/m²4-10-mal pro Jahr Süd-Park München, Technoseum München, Mall of Berlin, Elstercube Gera, Skline Plaza, Frankfurt a.M., Copenhill, kopenhagen
Intensivbegrünung / Retentionsgründach 48 cm / 580 kg/m² Stauden-Gehölze, Rasen hoch Wasserrückhalt 99,9 %, Wasserspeicher ca. 230 l/m², weitere Vorteile einer Intensivbegrünung Flachdach mit geeigneter Statik, höherwertige Dachabdichtung Investitionskosten: ca. 120 €/m² ; Instandhaltungskosten: ca. 6-10€/m²4-10-mal pro Jahr Ella-Kay Straße Berlin, Kinderhospiz Jena, Am Wasserturm, Berlin
Intensivbegrünung / Tiefgaragenbegrünung 100 cm / 1300 kg/m² Rasen, Stauden, Bäume hoch Wasserrückhalt 99 %, Wasserspeicher ca. 300 l/m², zusätzliche Nutz- und Wohnfläche Flachdach mit geeigneter Statik Investitionskosten: ca. 170 €/m² ; Instandhaltungskosten: ca. 6-10€/m²4-10-mal pro Jahr Killesberghöhe Stuttgart, Vodafon Campus, Düssedorf
Sumpfdach 10 cm / 120 kg/m² laut blumberg-engineers 11 Pflanzen / m² (Blinsen, Seggen, Uferpflanzen)gering Grauwasserreinigung 15l/ m² pro Tag Flachdächer oder Satteldach Investitionskosten: ca. 50-60 €/m² Regelmäßiger Blick auf Überwachungssystem Hydrovegetationsdach Gesamtschule Weilerbach, Wohnhaus Zofingen, Firma John Deere Mannheim, Firma Possmann Frankfurt

Fassadenbegrünungen

Begrünungsart Systemaufbau Pflanzeneignung Versorgung Gestaltung Kosten Beispiele 
Bodengebunden / Direktbewuchs mit Selbstklimmer Direktbegrünung keine Sekundärkonstruktion erforderlich

Intakte Außenwand ohne Fugen Pflanzenphysiologisch geeigneter Haftgrund
Wurzelkletterer, Haftscheibenranker

Pflanzenauswahl nach Exposition (Licht- und Windverhältnisse) und Gebäudedimension (Wuchshöhe, Wuchsbreite)
Erdboden / Bodenfeuchte

Pflege- und Wartungszugänglichkeit
Flächenwirkung nach Pflanzenwahl (in 5-20 Jahren) Pflanzenauswahl nach Art, Textur, Farbgebung, Belaubungsphase (sommergrün/immergrün), Wuchsrichtung, WuchsgeschwindigkeitInvestition ca. 0,40 €/m2

Pflege/Wartung ca. 15 €/m2a, zunehmend (höhenabhängig)

Bewässerung (standort- und witterungsabhängig)
Universität Aarhus

Staatsarchiv Liestal

Bodengebunden / leitbarer Bewuchs mit Gerüstkletterpflanzen Kletterhilfe/Spalier als separate Ebene (Stäbe, Seile, Gitter, Netze) Ranker, Schlinger/Winder, Spreizklimmer, spalierbare Gehölze Erdboden / Bodenfeuchte

Pflege- und Wartungszugänglichkeit
Flächenwirkung nach Pflanzenwahl (in 3-12 Jahren) Pflanzenauswahl nach Art, Textur, Farbgebung, Belaubungsphase (sommergrün/immergrün), Wuchsrichtung, Wuchsgeschwindigkeit Investition ca. 36-95 €/m2

Pflege/Wartung ca. 10-20 €/m2a, zunehmend (höhenabhängig)

Bewässerung (standort- und witterungsabhängig)
Prinz Georg Garten Darmstadt

Eden Bio, Paris

PTH Frankfurt

Alpine Finanz Opfikon
Wandgebunden / Regalsystem horizontale Wuchsebene Kragkonsolen oder Vorkonstruktion zur Aufnahme von Einzel- oder Linearbehältern Stauden, Kleingehölze, bedingt Kletterpflanzen Substrat, Wasser-, Nährstoffbedarf und Exposition nach Pflanzengesellschaft, Drainage, ggf. Feuchteregelung

Pflege- und Wartungszugänglichkeit
Sofortige Flächenwirkung nach Vorkultivierung

Pflanzenauswahl nach Art, Textur, Farbgebung, Belaubungsphase (sommergrün/immergrün), Wuchsrichtung, Wuchsgeschwindigkeit
Investition ca. 230-1.000 €/m2

Pflege/Wartung ca. 10 €/m2a (abhängig von Erreichbarkeit)

erhöhter Wasserversorgungsbedarf (künstliche Bewässerung und Nährstoffversorgung
Flower Tower Paris

Stacking Green Saigon

“Blumenregal” Stücki Shopping Einkaufszentrum

Magistratsabteilung 48 Wien
Wandgebunden / modulare Systeme vertikale Wuchsrichtung Sekundärkonstruktion mit vertikalem Substrat/Substratersatz- haltenden Pflanzmodulen (Körbe, Rinnen, Matten, direkt begrünte Ziegel-/Stein- oder Betonplatten Stauden, Kleingehölze, Moose, Flechten, bedingt Kletterpflanzen Substrat, Wasser-, Nährstoffbedarf und Exposition nach Pflanzengesellschaft, Feuchteregelung Pflege- und Wartungszugänglichkeit Sofortige Flächenwirkung nach Vorkultivierung

Pflanzenauswahl nach Art, Exposition (Licht-, Windverhältnisse), Pflanzengesellschaft, Textur, Farbgebung, Belaubungsphase
Investition ca. 370-1.100 €/m2 (abhängig von Bauweise, Gesamtgröße und Erreichbarkeit) Pflege/Wartung ca. 10 % der Herstellungskosten erhöhter Wasserversorgungsbedarf (künstliche Bewässerung und Nährstoffversorgung Vertical Living Gallery Bangkok

Geomoss, Straßburg

Metrostation Flon, Lausanne
Wandgebunden / flächige Systeme vertikale Wuchsebene Sekundärkonstruktion mit vertikalen Substratersatzflächen an wartungsfreier Primärkonstruktion Stauden, Kleingehölze, Moose, bedingt Kletterpflanzen Substrat / Substratersatz, Nährstoffhaltige Bewässerung, Feuchteregelung Pflege- und Wartungs-Zugänglichkeit kurzfristige Flächenwirkung

Pflanzenauswahl nach Art, Exposition (Licht-, Windverhältnisse), Pflanzengesellschaft, Textur, Farbgebung, Belaubungsphase (sommergrün/immergrün)
Investition ca. 400-1.200 €/m2 (abhängig von Bauweise, Gesamtgröße und Erreichbarkeit) Pflege/Wartung ca. 40 €/m2a (höhenabhängig)

erhöhter Wasserversorgungsbedarf (künstliche Bewässerung und Nährstoffversorgung
Sportplaza Mercator, Amsterdam

Magasin BHV Homme Paris

Hotel Pershing Hall, Paris

Musee du Quai Branly

Bei der Installation muss einiges beachtet werden

Wenn man sich für eine Art der Gebäudebegrünung entscheidet, müssen viele Faktoren beachtet werden, gerade bei der Auswahl der Pflanzen für zum Beispiel bodengebundene Begrünungen. Pflanzen sollten auf die Umweltbedingungen des Wuchsortes eingestellt sein. Bei der Installation sollte auch bedacht werden, dass die Pflanzen zukünftig wachsen. Ein ausreichend großer Pflanzenabstand muss deshalb eingehalten werden. Der Pflegeaufwand steigt bei der Installation vieler Begrünungen, gerade bei Starkschlingern. Je nach Art der Pflanze sind verschiedene Ranktypen auszuwählen und dazugehörige Lasteinflüsse nachzuprüfen. Es sollten Faktoren wie Lichtbedürfnisse, Belaubungsphasen, Form und Farbe, sowie die Giftigkeit und Erreichbarkeit einzelner Pflanzenteile zusätzlich betrachtet werden. Für die richtige Auswahl bietet sich die Pflanzentafel von Prof. Dr.-Ing Nicole Pfoster an. Bevor die Bepflanzung überhaupt stattfindet, muss der Boden getestet werden. Ist dieser nicht für die ausgewählten Pflanzen ideal, sollte ein Austausch erfolgen. Auch das stetige Wachsen kann zu einem Problem werden, welches üblicherweise durch Verschnitt begrenzt wird. Es gibt aber auch Wuchsbegrenzungen mit Aluminiumprofilen, welche mit elektrischer Spannung versetzt werden. Dadurch kann die Pflanze nicht über das Profil hinauswachsen. Bei immergrünen Bepflanzungen sollte darauf geachtet werden, eine Heizung für die Bewässerung einzubauen oder diese vor dem Frost zu entleeren. Für Dachbegrünung kommen nochmal zusätzliche Faktoren wie der Wurzelschutz, Statik, Verwehsicherheit, Dachneigung, Ent- und Bewässerung sowie Absturzsicherung hinzu.

Das Thema Brandschutz sollte sowohl bei Dach- als auch bei Fassadenbegrünungen nicht unterschätzt werden. Gerade in den Gebäudeklassen 4 und 5 sind die Anforderungen sehr hoch. Pflanzen zählen rechtlich nicht als Baustoff, sondern als Außenwandbekleidung, dessen Brandverhalten mit der Prüfnorm DIN 4102-20:2017 überprüft werden muss. Dabei ist es wichtig, dass es keine selbstständige Brandausbreitung außerhalb des Primärbrandbereichs, keine herabfallenden brennenden Teile sowie keine Gefährdung von Personen und Rettungskräften gibt. Es werden konstruktive Brandspeeren z. B. durch auskragende Brandschutzelemente zwischen den Geschossen empfohlen sowie ein Mindestabstand der Begrünung von 2 Metern über einer Öffnung. Die Systeme können aber auch eine Löschfunktion übernehmen, wenn sie mit zusätzlichen Bewässerungselementen ausgestattet sind. [1] Für Begrünungen auf dem Dach gelten die gleichen Richtlinien wie harte Bedachung gemäß DIN 4102-4. Die Brandprüfungen erfolgen hier nach DIN 4102-7, 1988 sowie ein Test nach DIN EN 1187. [2] Wodurch Brände an der Fassade ausgelöst werden und welche Pflanzen besonders betroffen sind, wird in den nachfolgenden Abbildungen deutlich (Quelle).

Ursachen für reale Brandfälle an Fassadenbegrünungen nach Brandwein, 2014
Abbildung 3: Ursachen für reale Brandfälle an Fassadenbegrünungen nach Brandwein, 2014
Brandhäufigkeit von Kletterpflanzen nach Art/Typ nach Brandwein, 2014
Abbildung 4: Brandhäufigkeit von Kletterpflanzen nach Art/Typ nach Brandwein, 2014

Hoher Pflegeaufwand und Kosten?

Ein aufwendiges Begrünungssystem kann einiges an Kosten und Pflege mit sich bringen. Dazu zählen die Entfernung von Fremdbewuchs, Mähen, Düngen, Kontrollen der Entwässerung und Abdichtungen sowie der Verschnitt von Gehölzen. Auch das Bewässern kann aufwendig werden, wenn es per Hand anstatt mit Tropfschläuchen, Anstaubewässerung oder Bewässerungsvlies erfolgt. Es stellt sich also die Frage, ob sich ein Gründach durch die eingesparte Energie überhaupt amortisiert? Prof. Dr. Gernot Minke vom Zentrum für Umweltbewusstes Bauen e.V. äußerte in einem Interview dazu: “Das Gründach amortisiert sich nicht nur durch die Energieeinsparung, sondern vor allem durch seine Lebensdauer. Nach der Statistik weist ein Flachdach in Deutschland bereits nach 7 Jahren Reparaturkosten und eine Lebensdauer von lediglich 22,5 Jahren auf. Ein Gründach hat aber eine wesentlich längere Lebensdauer und weist in der Regel in den ersten 40 Jahren keinerlei Reparaturkosten auf.”

Gerade bei sanierten Gebäuden treten zusätzliche Nachteile neben den Kosten und der Pflege auf, die vorher geprüft werden müssen. Bereits bestehende Konstruktionen sind im Sinne heutiger Normen und Richtlinien nur bedingt auf zusätzliche Lasten ausgelegt. Bei Gebäuden mit schon vorhandenem Kies oder Platten auf bedeckten Dächern ist jedoch eine extensive Begrünung oftmals kein Problem. Ist eine Umsetzung technisch möglich, sind häufig auch Fragen des Denkmalschutzes zu klären. Durch die Installation einer nachträglichen Dach- und Fassadenbegrünung wird das Erscheinungsbild des Gebäudes geändert. Das Verdecken der ursprünglichen Architektur sowie dem unkontrollierten Wachstum von Begrünung und damit verbundener Verschattung kann auch beim Bauherrn zu einer Entscheidung gegen die Begrünung führen. Oftmals wird als Nachteil auch das Ansiedeln von Schädlingen angesprochen, was jedoch durch eine sorgfältig geplante Pflanzenwahl verhindert werden kann. Bei der Installation von Begrünungssystemen kann es auch zu Beschädigungen des Gebäudes durch die Montage oder der Bepflanzung kommen. Gerade Kletterpflanzen können die Fassade schädigen. Aber auch Befestigungselemente führen bei falscher Installation zur Schädigung der statischen und dämmenden Schichten. Sind die Systeme installiert, erweist es sich außerdem schwierig, spätere Sanierungsarbeiten durchzuführen. Diese sind mit einem erhöhten Arbeits-, Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Besitzt das Gebäude eine große Dachneigung, ist die Art der Begrünung eingeschränkt. Gerade bei schrägen Dächern sind dann oft zusätzliche konstruktive Maßnahmen notwendig. [1]

Erhöhte Anfangsinvestitionen, ein höherer Aufwand in der Wartung sowie ein vermeintliches Beschädigungsrisiko sind Gründe, warum Gebäudebegrünungen, vor allem an der Fassade, noch nicht in großflächigem Umfang installiert werden.

Förderung als mögliche Maßnahme zur Vergrößerung der Begrünungsflächen

Mithilfe politischer Zugeständnisse wie Förderprogramme für Gebäudebegrünungen, Zuschüsse oder auch einer reduzierten Abwassergebühr könnte sich die Attraktivität für Gebäudebegrünungssysteme erhöhen. Die Stadt Dresden setzt für begrünte Dachflächen nur die Hälfte der Abwassergebühren zu nicht begrünten Dachflächen an. Eine verbindliche Festsetzung von Gebäudebegrünungen im Bebauungsplan könnte ebenfalls für einen Zuwachs sorgen. Die Kombination von PV-Anlagen und Begrünung lässt sich dabei ebenfalls festsetzen. Zertifikate wie das Green Building Zertifikat oder die Verteilung von Ökopunkten schaffen Anreize und könnten auch in Zertifizierungssystemen wie DGNB, LEED oder BREEAM integriert werden. [1]

Durch die zunehmende Professionalisierung und erhöhten Absatzmengen ist weiterhin mit einer Vergünstigung zu rechnen.

Gebäudebegrünung als Klimaanpassungsmaßnahme?

Die Veränderung des Stadtklimas erfordert in Zukunft auch bei der Planung von Gebäuden und deren Gebäudebegrünung ein Um- und Mitdenken. Schon in der Planungsphase sollte die Klimawandeltauglichkeit überprüft werden. Dabei ist es sinnvoll, sich vor allem die Vorteile von Begrünungen anzuschauen, die den Veränderungen in der Stadt entgegenwirken. Besonders die Menge und jahreszeitliche Verteilung von Niederschlägen, Sonneneinscheindauer und die Trocken- und Frostperioden sowie Hauptwindrichtung sind entscheidende Kriterien. [1] Mit der Zunahme an Extremwetterereignissen muss sich auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber diesen Bedingungen erhöhen. Zur Einschätzung werden oft regionale Klimamodellensembles erstellt, welche Auskunft über die zukünftige Dauer von Trockenphasen, Anzahl an heißen Tagen sowie Anzahl und Intensität von Extremwetterereignissen geben. Durch das Vergleichen und Bewerten der Begrünung mit den zukünftigen Bedingungen sind gegebenenfalls Verbesserungen oder Ergänzungen vorzusehen. Dies kann die Auswahl der Pflanzenart sein, das Beachten der Zuwanderung nicht-heimischer Pflanzenschädlingen, veränderte Bewässerungsbedarfe, veränderte Anforderung an die Windsicherung, der Schutz vor Extremwetterereignissen wie Hagel, Sturm oder Starkregen, die Eignung der verwendeten Materialien sowie die Planung von Wasserrückhaltung bei veränderter Niederschlagsmenge. Der Wasserrückhalt bei Starkniederschlägen ist jedoch begrenzt und sollte als Teil des Regenwassermanagements verstanden werden. Es bietet sich an, eine sogenannte blaue Infrastruktur aufzubauen. Dabei werden auf z. B. Dächern Wasserelemente vorgesehen. Diese blauen Dächer können Wasser temporär in Speicherschichten oder Wasserbecken anstauen und eine Ergänzung zu Gründächern bieten. [3] Eine Ableitung von Überschusswasser, die Rückführung in den Bewässerungskreislauf, ausreichende Entwässerungs- und Notüberläufe sollten ergänzend vorgesehen werden [1]. Um das Leben in der Stadt angenehmer zu machen und die Hitze zu reduzieren, benötigt es eine großflächige Begrünung in der ganzen Stadt. Besonders die Kombination von begrünten Dächern und Fassaden sorgen für den größten Kühleffekt.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass Gebäudebegrünungen eine mögliche Art der Klimawandelanpassung darstellen können. Jedoch ist dafür eine flächendeckende Verbreitung notwendig, um die positiven Eigenschaften zu entfalten. Sie bieten aber nicht nur als Anpassungsmaßnahme Vorteile, sondern auch für das Wohlbefinden der Menschen. Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Dickhaut, Professor für umweltgerechte Stadt- und Infrastrukturplanung an der HafenCity Universität Hamburg, beschreibt die Entwicklung der Gründächer wie folgt: “Sie werden in den Städten sicher weiter an Bedeutung gewinnen. Die Kommunen werden noch mehr Anreize für Gründächer schaffen, und auch Investoren werden sich für sie entscheiden, weil sie die höhere Aufenthaltsqualität gut vermarkten können.”

Quellen:

  • [1] Gebäudebegrünung – Eine Übersicht und Potenzialanalyse von Begrünungssystemen, Clea Klummert, Mai 2021
  • [2] Vortrag – Begrünte Fassaden aus brandschutztechnischer Sicht, Julia Noder, 2019
  • [3] Gebäudebegrünung und Klimawandel – Anpassung an die Folgen des Klimawandels durch klimawandeltaugliche Begrünung, GERICS – Climate Service Center Germany, 2017

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